Ungleiche Liebe

Franziska von Hohenheim – Herzogin von Württemberg

Württemberg. Wir schreiben das Jahr 1771. Eine junge Frau bricht mit den Konventionen ihres Standes und ihrer Zeit. Sie befreit sich aus ihrer unglücklichen Ehe, wird Geliebte Herzog Karl Eugens.

Die begeisterte Leserin korrespondiert mit den Gelehrten ihrer Zeit. Sie interessiert sich für Botanik, legt in Hohenheim einen Garten nach englischem Vorbild an, lebt dort fernab des Stuttgarter Hofes als vielbeschäftigte umsichtige Landfrau; verkauft Tiere, pflanzt Gemüse, kocht „Zwetschgen geseltz“. Franziska von Hohenheim gewann ungewöhnliche Popularität, ermöglichte dem rastlosen Herzog sogar, sich an ihrer Seite zum „guten Landesvater“ zu stilisieren.Es ist eine mitreißende Geschichte, voller innerer Dynamik, eingespannt in den politischen Hintergrund des Absolutismus: Ränkespiel und Machtkalkül, Freundschaft und Religion, Politik und Idyll, Identitätssuche und ihre Grenzen. Bislang nicht publizierte Quellen, auch intime Billetts, lassen eine lebendige Frau sichtbar werden statt der Klischees, die bis heute das Bild des „Engels von Württemberg“ prägen.

 

Prolog


Aus Freundschaft weihe ich Ihnen mein ganzes Leben und empfange ich freiwillige Wohltat Ihrer Gnade, gewiss mit gefühlvollem Herzen. Verbindlich soll Sie aber nichts anders gegen mich machen, als bloß mein Betragen, das ich nicht unter der Fürsten Würde herunter zu setzen versuchen werde.

(Franziska in einem Brief an Herzog Carl Eugen, Herbst 1792)

Franziska von Bernerdin, geschiedene Freifrau von Leutrum, Reichsgräfin von Hohenheim und Herzogin von Württemberg, war eine außergewöhnliche Frau – eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit. In ärmliche Verhältnisse geboren und zur Favoritin Herzog Carl Eugens von Württemberg und schließlich zu seiner Ehefrau aufgestiegen, war sie zu Lebzeiten durchaus umstritten. Einige Zeit-genossen sparten nicht mit ihrer Kritik, andere priesen sie dagegen als fromme und tugendhafte Frau an der Seite des Herrschers, ganz und gar selbstlos und unpolitisch, fernab von jeder Ranküne in der höfischen Welt.

Als Franziska sich für ein Leben an der Seite des Herzogs entschied, hatte dieser nach mehrfachen politischen Niederlagen beschlossen, seinen Lebens- und Regierungsstil grundlegend zu ändern. Mit der gleichen Öffentlichkeit, mit der er bis dato seine Affären zelebriert hatte, setzte er nun die betont zärtliche Beziehung zu seiner Gefährtin ein, um sich ein neues Image zu geben: als großer Liebender, als Wissenschaftsförderer, als Pädagoge und Sozialreformer – summa summarum als guter „Landesvater“ im Sinne des aufgeklärten Absolutismus. Serenissimus wurde dem Zeitgeist folgend „menschlich“, und der Frau an seiner Seite kam die Rolle der Wohltäterin der Armen und Förderin der Begabten zu. Auch die Geliebte eines Regenten lebte auf der Schwelle zum bürgerlichen Zeitalter, in dem die Frauen „sanft und engelsgleich“ zu sein hatten – und nicht politisch durchsetzungswillig wie die berühmten Mätressen früherer Jahrhunderte.